Wie entsteht den der Whisky?

Die Legende Das Wasser des Lebens
Die Herstellung des Single Malt Das Mälzen
Das Maischen 
Die Gärung 
Die Destillation
Lagerung und Reife 
Die Abfüllung

Schottland - Die Legende

So kann man wohl zu recht sagen, denn in unserer Zeit gibt es wohl kaum ein anderes Land, das eine so magische Anziehungskraft auf so viele Menschen ausübt, wie Schottland. Die Faszination liegt zum Teil in der bewegten Geschichte und in den zahllosen Mythen, zum Teil in der abwechselnden und atemberaubenden Landschaft begründet.

Schottland ist nicht nur eine Legende, es birgt auch viele in sich. Wer träumt nicht davon, einmal am Loch Ness spazieren zu gehen und Nessi zu begegnen, oder an einem Folkloreabend teilzunehmen, an dem die Fiddles klingen und die Bagpipes ihre schaurigen Töne in die Welt hinausbrüllen. Wer möchte nicht an Burn's Supper den Haggis kosten und einen Dram genießen. Wer liebt nicht den Anblick eines gestandenen Clansman in seinem Kilt mit dem Sporran. Und wer sehnt sich nicht danach einmal auf einem Berg der Highlands zu stehen und der Aussicht zu frönen. Ich könnte noch stundenlang fortfahren zu schwärmen und zu erzählen. Doch laßt uns nun zum Punkt kommen, der uns alle interessiert: Dem Whisky.

Uisge Beatha - Das Wasser des Lebens

In uralter Zeit war der Whisky nur den Mönchen Irlands bekannt. Sie benutzten ihn als Medizin, um den Kranken Linderung zu verschaffen. Damals war er noch nicht so ausgereift wie heute. Er wurde oft nur wenige Jahre gelagert und erhielt so nur eine unvollkommene Reife. Oftmals wurde er mit Kräutern oder Früchten versetzt, um den Geschmack erträglicher zu machen. Dann nahmen die ersten irischen Mönche ihn mit hinüber nach Schottland, wo man nach und nach die Herstellung und Reife perfektionierte.

Die erste offizielle Erwähnung von Whisky ist 1494 in Steuerunterlagen festgehalten worden. Ein irischer Mönch mit Namen Jon Cor kaufte Malz in einem Handelskontor in Dunfermline (damalige Hauptstadt Schottlands) zur Herstellung von "aqua vitae" (Lebenswasser). Das gälische Wort hierfür lautet "uisge beatha" oder "usquebaugh", woraus sich, aufgrund der schlechten Ohren der Engländer, die das Wort nicht verstanden (so sagen die Schotten :-) ), der heutige Name Whisky bildete.

Als die irischen Kloster nach der Reformation aufgelöst wurden, brannte jeder Clan seinen eigenen Whisky. Damals diente der Whisky als Alltagsgetränk, zu medizinischen Behandlung und auch als Zahlungsmittel. Da man schon zu dieser Zeit am Whisky verdienen wollte, erhob das Schottische Parlament 1664 eine Whiskysteuer. Als die englische Regierung diese nach der Realunion 1707 drastisch erhöhten, wurde die Destillation heimlich fortgeführt. Auch Schottlands älteste noch bestehende Destille "Glenturret" (gegründet 1717) wurde als "illicit still" (illegale Brennerei) geführt.

Im Jahr 1823 wurde ein neues Gesetz verabschiedet, nach dem man zum legalen brennen eine königliche Lizenz benötigte. Nach diesem Gesetz galten alle Destillen, die weniger als 40 Gallonen Whisky produzierten, als illegal. Das waren die meisten. Die ersten Familienbetriebe wurden 1824 offiziell gegründet. Es handelte sich um die in der Speyside beheimateten Brennereien "The Glenlivet" und "Cardhu Distillery".

Bis ins späte achtzehnte Jahrhundert war der Whisky in der Welt außerhalb Schottlands und Irlands weitgehend unbekannt. Einzig in Amerika begannen die ausgewanderten Schotten und Iren kleine Brennereien zu gründen. Erst durch die engeren Handelsbeziehungen mit Frankreich und Flandern trat der Scotch Whisky seinen Siegeszug durch Europa und die ganze Welt an. Es waren einfache Händler wie Johnny Walker oder die Gebrüder Chivas, die begannen, Whiskies von verschiedenen Brennereien aufzukaufen und diese so zu verschneiden, daß das Endprodukt, der blended Whisky zum einen milder und verträglicher wurde und zum anderen immer in etwa gleich schmeckte. Aus den Etiketten auf den Flachen und den Brandzeichen auf den Kisten und Fässern entstanden schließlich die ersten Markennamen. Der Idee des Blendens ist es zu verdanken, daß der Whisky so populär wurde und daß auch heute noch annähernd 95% der gesamten Whiskyproduktion der einzelnen Brennereien zum blenden benutzt werden.

Mit der Industrialisierung ging man immer mehr dazu über, den Malt mit Grainwhisky aufzufüllen. Dieser ist billiger, da er in zylinderförmigen Brennblasen hergestellt wird. Diese Brennblasen ermöglichen eine kontinuierlichere und wirtschaftlichere Destillation. Natürlich ist der Grain nicht annähernd so hochwertig und so leidet auch der Geschmack des Blends. Ende der sechziger dieses Jahrhunderts besann sich die Brennerei Glenfiddich darauf, was den Schotten wirklich schmeckte: ein Dram (Schluck) reinen Malts. Denn viele Landsleute suchten extra die Brennereien auf, nur um reinen Whisky zu bekommen. Glenfiddich füllte ab jetzt auch in Eigenregie Flaschen mit purem Single Malt. Jedoch griffen sie auch zu dem Trick des Verschneidens. Denn mit dem Whisky ist es wie mit den Weinen: Jeder Jahrgang schmeckt, bedingt durch die Gerstenqualität und die Witterungsverhältnisse während des Reifens, anders. So nahm man Whiskies verschiedener Jahrgänge und mischte sie solange, bis der charakteristische Geschmack des Malts erreicht war. Nach und nach fanden sich immer mehr Nachahmer, zu unserem Glück, und der Single Malt wurde im Laufe der letzten Jahrzehnte immer beliebter.

Die Herstellung des Single Malt

Im Grunde ist Whisky "nur" eine Art weiterentwickeltes Bier. Wie so vieles ist die Kunst des Bierbrauens eine Entdeckung der Chinesen und es ist bis heute noch größtenteils ungeklärt, wie die Iren darauf kamen, das Grundrezept zu destillieren. Man nimmt an, daß das Bier auf den berühmten historischen Handelswegen der Chinesen über Ägypten nach Irland gebracht wurde und die irischen Mönche auf der Suche nach neuen Methoden waren, hochprozentigen Alkohol für die Desinfektion offener Wunden (zur Bekämpfung des damals meist tödlich endenden Wundbrandes und Wundfiebers) und als Betäubungsmittel bei Operationen und Amputationen herzustellen.

Immer noch wird der Whisky wie vor tausend Jahren nach den gleichen Methoden hergestellt.

1. Das Mälzen (Malting)

Jeder von uns kennt den Effekt, wenn ein Apfel zu lange in der Wärme liegt: Er wird immer süßer und schließlich bitter. dann setzt der Faulprozeß ein. Preßt man nun den Apfel rechtzeitig aus und lagert das Extrakt ein wenig, bekommt man reinen Apfelwein. Das gleiche geschieht mit allen Obstsorten (Trauben werden zu Wein, Pflaumen zu Pflaumenwein, usw.), Kartoffeln (Kartoffelschnaps), Zuckerrohr und -rüben (Rum) und auch mit Getreide (klarer Korn).

Alle diese Verwandlungen werden ermöglicht, wenn das Basisprodukt Zucker beinhaltet. Bei Früchten und Zuckerrüben ist dies nicht zu überschmecken. Wer hat jedoch schon einmal gehört, daß Getreide oder normale Kartoffeln süß schmecken ? Hier wendet die Natur einen Trick an: Um den Pflanzen das Wachstum zu ermöglichen, brauchen diese viel Energie. Wenn die Knollen und Körner erst einmal Blätter besitzen, ist das kein Problem mehr, sie gewinnen den Zucker aus der Fotosynthese. Die Pflanze nimmt Kohlendioxyd auf und wandelt sie und das aus dem Boden gesogene oder mit den Blättern aufgefangene Wasser unter Zuhilfenahme von Sonnenlicht in Stärke und schließlich in Traubenzucker um. Nun hat eine Kartoffelknolle oder ein Korn keine Blätter; aber Stärke.

Damit die Stärke in Zucker gewandelt wird, muß das Korn dazu gebracht werden, zu wachsen. Zur Herstellung des Malt Whisky nimmt man Gerste. Grain Whisky wird vor allen Dingen aus Roggen hergestellt. Man befeuchtet die Gerste mit Wasser und legt sie großflächig in extra dafür vorgesehenen Mälzböden aus. Meist handelt es sich dabei um Tennen oder Dachböden, direkt über den eigentlichen Brennräumen liegend. In kurzen Abständen wird das Getreide von den Arbeitern der Destillen gewendet und umgeschichtet. Dieses Verfahren nennt man "lüften".

Durch die feuchte und warme Luft beginnt das Korn zu keimen. Hierbei wird die Stärke in Zucker umgewandelt. Läßt man die Gerste nun weiter keimen, wird der Zuckergehalt von den grünen Auswüchsen, den Keimlingen aufgebraucht. Um das zu verhindern muß der Keimvorgang im richtigen Moment gestoppt werden, und zwar, wenn die Stärke löslich geworden ist, der Gerste jedoch noch keine Keimlinge gewachsen sind. Man schaufelt also das Getreide in den nächsten Raum, der meistens direkt angrenzt. Viele Destillen schleppen jedoch das gesamte Korn quer über den Hof zu einer Pagode, die extra für das folgende Verfahren gebaut wurde. Dort wird es über einem luftdurchlässigen Boden wieder ausgebreitet. Dieser Raum wirkt wie eine Räucherei, denn unter dem Boden wird ein Feuer entzündet und der trockene Rauch dringt durch den Boden und die Hitze trocknet auch die Gerste. Hier wird der zukünftige Whisky zum ersten Mal in Geruch und Geschmack geprägt.

Traditionell wird als Brennmaterial Torf verwendet, da dies in alter Zeit, wie in allen spärlich bewaldeten Gegenden, als Feuerholzersatz verwendet wurde. Einige Brennereien in dicht bewaldeten Gegenden benutzten und benutzen Holz. Da das Trocknen einige Stunden in Anspruch nimmt, setzt sich der Rauch natürlich im Korn fest. Stellen Sie sich vor, wie Sie nach Stunden im Rauch riechen würden :-). So kommen das torfige bzw. rauchige Aroma und der entsprechende Geschmack in den Whisky.

Manche Destillen benutzen Gas oder Öl zur Feuerung, zum einen aus Kostengründen, zum anderen um einen möglichst unbeeinflußten oder milden Charakter zu erzeugen. Dieser Vorgang ist, wie sie erlesen, sehr aufwendig und teuer, deswegen gingen immer mehr Destillen dazu über, ihr Malz aus Großmälzereien zu beziehen, wo das Malz industriell in riesigen Trommeln gefertigt wird. Dadurch geht natürlich etwas vom ursprünglichen Geschmack des Malt verloren. Es gibt nur noch wenige Brennereien, die ihr Malz zumindest noch größtenteils selbst herstellen, so zum Beispiel Bowmore, Balvenie, Highlandpark, Laphroig und Springbank.

2. Das Maischen (Mashing)

Das trockene Malz wird nun geschrotet (das Ergebnis nennt man grist = Mahlgut) und in große Maischbottiche (mash tuns) umgefüllt. Anschließend wird heißes Wasser hinzugegeben. Das ganze verbleibt 48 Stunden im Bottich. In dieser Zeit wird die Stärke aus dem Korn gelöst und endgültig in Zucker umgewandelt und ergibt eine süße Lösung, ähnlich dem Zuckerwasser, mit dem Bienen gefüttert werden. Fertig ist das "wort" (die Würze), in der noch kein Schlückchen Alkohol enthalten ist.

Vor der Weiterverarbeitung wird die Würze gefiltert und die Rückstände (die Kornhülle, in der ja noch die nahrhaftesten Bestandteile des Korns verbleiben sind) an Landwirte als Viehfutter verkauft. Die Würze läßt man nun erst einmal abkühlen.

3. Die Gärung (Fermentation)

Als nächstes wird die Würze aus den mash tuns in noch größere Gärbottiche (washbacks) gepumpt. In der Natur wird durch wilde, in der Luft umherfliegende Hefesporen der Zucker im Obst fermentiert. Das bedeutet, daß eine Gärung einsetzt und die Früchte einen durchaus starken Alkoholgehalt entwickeln. Jeder kennt wahrscheinlich Disneys Tierfilm, in dem die Tiere der Wüste, nach der Regenzeit und dem einsetzenden Pflanzenwachstum, gegorene Früchte essen und alkoholisiert durch die Oase torkeln :-).

Diesen Effekt ahmt man nach, indem man die Würze mit Hefe versetzt. Bei der Gärung wird viel Kohlendioxyd freigesetzt, der in Blasenform zur Oberfläche perlt. Um ein Überlaufen der Bottiche zu verhindern, rotiert über der Flüssigkeit, die schnell ein wenig Alkohol ansetzt (man nennt sie jetzt "wash"), ständig eine Art Propeller, der die Blasen abschlägt. Daher der Schaum auf der Oberfläche des mash. Wer einmal in einer Brauerei oder gar in einer Destille seine Nase über die Gärbottiche gehalten und kräftig eingeatmet hat, kann bestätigen, wie sehr das Zeug stinkt.

Nicht umsonst wurden die Arbeiter der Destillen, die in früherer Zeit die Blasen per Hand und einer Art Paddel abschlugen, in den Pubs möglichst schnell abgefüllt und nach Hause geschickt :-). Das Ergebnis dieses Prozesses ist fast derselbe Grundstoff, aus dem Bier gebraut wird. Die Flüssigkeit enthält zu diesem Zeitpunkt nur wenig Alkohol, etwa 6-10 %.

4. Die Destillation (Distillation)

Das wash wird nun in die erste Brennblase (pot-still) geleitet. Die Brennblasen haben immer die Form eines Kessels mit einem Schwanenhals am oberen Ende. Die größe des pot-stills entscheidet den zweiten Punkt des Geschmacks und seine Konsistenz. In einer hohen Brennblase kondensiert Teile des Destillats bereits im Schwanenhals und rinnen wieder zurück in den Kessel, wo sie erneut destilliert werden. Das ergibt einen leichteren und reineren Alkohol. Eine kleine, gedrungene Blase, wie die von Macallan, produziert einen schwereren und öligen Whisky.

Ist die Brennblase defekt und muß ersetzt werden, stockt das Herz eines jeden Brennmeisters. Die neue Brennblase wird in genau derselben Form und Größe angefertigt, wie die alte. Jede Brennerei bewahrt die Baupläne ihrer pot-stills wie einen großen Schatz. In vielen Fällen werden sogar die nachträglich entstandenen Beulen der Vorgänger zugefügt.

Alle Brennblasen bestehen grundsätzlich aus Kupfer. Das Feuer unter diesen Blasen wird ebenfalls oft mit Torf am Leben gehalten, nimmt jedoch keinen Einfluß auf das Destillat, da dieses mit dem Rauch nicht mehr in Berührung kommt. Was am Ende des ersten Brennvorgangs aus dem Kessel herauskommt, hat einen Alkoholanteil von etwa 25-30% und wird "low-wine" ,und deshalb der erste pot-still "low-wine-still", genannt.

Nun wird das Destillat in Kupferrohren in den zweiten pot-still geleitet, oft durch ein Kühlbecken außerhalb des Gebäudes. Bei der zweiten

Destillation entsteht der "spirit" (Feinbrannt), und so heißt die Brennblase auch "spirit-still". In einigen wenigen Lowland-Brennereien wird der "spirit" ein drittes Mal gebrannt, genau wie man es überall in Irland hält. Beide Destillate durchlaufen den sogenannten "spirit-safe", einen durchsichtigen Behälter, in dem man sehen kann, welche Qualität das Destillat zu diesem Zeitpunkt aufweist. Safe wird es genannt, weil der Kasten verschlossen ist und der Schlüssel bei der Finanzbehörde aufbewahrt wird. Im Safe sind zusätzlich einfache Meßgeräte installiert, die die Arbeit des Brennmeisters erleichtern.

An diesem Punkt tritt zum ersten Mal der Brennmeister (still-master oder still-man) auf dem Plan. Er steht vor dem spirit-safe und Kontrolliert den Whisky. Er achtet insbesondere darauf, wann der Vorlauf (der erste Teil des Destillats) durchgelaufen ist und der Nachlauf (der letzte Teil) beginnt. Diese zwei Teile enthalten die schädlichen Fuselstoffe, die den Geschmack ruinieren würden. Vor- und Nachlauf werden wieder in die Brennblase geleitet und nochmals destilliert. Das übrige Destillat ist eine klare und scharfe Flüssigkeit (der "clear") mit einem Alkoholgehalt von ca. 65-70%.

5. Lagerung und Reife (Maturing)

Vor der Abfüllung in Fässer wird der clear in große Bottiche umgefüllt und mit Wasser auf einen Alkoholgehalt von 65,3 % heruntergebracht. Dies fördert eine optimale Reifung. Dann läßt man das ganze abkühlen. Der dritte Punkt, der ausschlaggebend für den Geschmack des Whiskies ist, ist die Holzart, aus der die Fässer gemacht sind, und das Getränk, das vorher darin gereift wurde.

Einige Destillen lassen sich neue Eichenfässer aus englischer Eiche bauen, einige haben eine eigene "Eichenplantage" in Amerika. Andere nutzten die Vorliebe der Engländer für Sherry und kauften ihnen die Fässer ab. In der Blütezeit des Sherryfaßhandels stapelten sich Türme aus Fässern im Hafen von Bristol. Wieder andere Brennereien benutzen gebrauchte Bourbonfässer, da die Anzahl der zur Verfügung stehenden Sherryfässer rückläufig ist. (Auch die Spanier haben entdeckt, daß man Fässer mehrmals nutzen kann.) Die eine oder andere Destille experimentiert mit Faßarten, so kann man gelegentlich Mahagoni-, Rum-, Limousineneichefässer in den Lagerhäusern entdecken. Glenmorangie zum Beispiel vertreibt einige Abfüllungen im Madeira-, Cognac- und Portfaß.

Die gebrauchten Fässer werden vor der Abfüllung kurz ausgebrannt. Dies gilt der Desinfektion. Es bleibt jedoch immer noch soviel vom ursprünglichen Charakter übrig, daß der fertig gereifte Malt einiges an Geschmack mitnimmt. Daher das Sherrytönige oder Nussige oder der Ingwergeschmack.

Nach der Abfüllung wird der Whisky einige Zeit gelagert. Man lagert ihn vornehmlich in Hallen. Doch einige Brennereien lagern ihn direkt in der freien Luft (Laphroig). Durch die Poren des Holzes nimmt der Whisky viel vom Aroma der Umgebung auf. Dies wird begünstigt durch die starken Temperaturschwankungen unserer Breitengrade, bei denen sich das Faß bei Kälte zusammenzieht und bei Wärme wieder dehnt. Es heißt, der Whisky atmet. Während des Reifeprozesses verdunstet ein Teil des Alkohols, etwa 2% pro Jahr, was man als "angel's share", den Engelsanteil, bezeichnet.

Oft gibt es auch einen "stillmen share", den Anteil der Brennmeister, dank des "dog", einem Metall-Glasgefäß, dessen Hals genau in das Spundloch des Fasses paßt. Die Umgebung gibt dem Whisky während der Reife seinen letzten Schliff. Hier bekommt er den Geschmack nach Heidekraut, nach Blumen oder Früchten, nach Seeluft, Salz und Jod oder nach noch mehr Torf. Man kann am Aroma bereits die Gegend einengen, aus der der Malt stammt. Klar ist, daß Inselmalts fast immer nach Seeluft riechen, klar ist auch, daß Speyside-Malts eher nach Blumen und Früchten duften und klar ist auch, daß die Highland-Malts am ehesten einen Hauch von Heidekraut beherbergen.

Erst nach drei Jahren Lagerung darf man ihn Whisky nennen, so ist es gesetzlich und traditionell verankert. Obwohl so mancher still-man den clear (klares Destillat nach dem brennen) bevorzugt und mancher Tourist mit einem dram (Schlückchen) "dirty", dem Restalkohol, der beim Reinigen der Brennblasen abfällt, verjagt wurde. Die dreijährigen sind zwar durchaus genießbar, und werden zu 95% an die Blender verkauft, doch richtig fertig sind sie noch lange nicht. Ein Single Malt muß wenigstens acht Jahre reifen und schmeckt auch meist dann noch unfertig.

Der durchschnittliche Single Malt reift zehn, zwölf, fünfzehn, sechzehn oder achtzehn Jahre, bevor er auf Flaschen gezogen wird. Einige Firmen stellen auch spezielle Malts her, die 20 und mehr Jahre gereift sind oder alle aus einem Jahrgang stammen.

6. Die Abfüllung (Bottling)

Vor dem letztendlichen Abfüllen hat die Destillerie den Verschnitt gesetzt. Wie oben erwähnt, werden in jedem Jahr Fässer verschiedenen Jahrgangs geöffnet und vermengt. Es findet ein sogenanntes "nose-tasting" (Geruchstest) statt, bei dem der Brennmeister etwas Whisky aus jedem Faß in eine Art Cognacschwenker füllt. Er trinkt nicht daraus, denn das würde nach der Auskunft vieler Brennmeister, den Geruchs- und Geschmackssinn lähmen.

Der still-master entscheidet nach Geruch, welcher Whisky in welcher Menge dem Malt hinzugegeben wird. Man sieht, daß der Beruf des Brennmeisters aus zwei Gründen nicht einfach ist: Erstens benötigt man neben einer sehr feinen Nase und viel Spürsinn eine große Erfahrung. Zweitens würde es jedem Whiskytrinker sehr schwerfallen, die besonders guten Tropfen nicht sofort zu kosten. Jedesmal, wenn ein still-master in den wohlverdienten Ruhestand geht, zittert die Firma um den Charakter und Geschmack ihres Whiskies. Bis ein guter Ersatz gefunden ist, kann es durchaus zu sehr ramponierten Daumen kommen, die große Druckstellen aufweisen.

Die ganze Prozedur dient dazu, dem Konsumenten eine von Jahr zu Jahr gleichbleibende Qualität bieten zu können. Dabei kommt es natürlich auch schon einmal vor, daß ein mit 12 Reifejahren ausgewiesener Malt einen kleinen Anteil eines 20-jährigen beinhaltet. denn es muß immer der jüngste Whisky auf dem Etikett aufgeführt werden.

Einige wenige Destillerien verzichten deswegen ganz auf eine Altersangabe, um ihren Malt teurer verkaufen zu können (Glenfiddich, Auchentoshan). Dabei muß es nicht sein, daß der Großteil aus jungem, unausgereiftem Whisky besteht, es kann auch sein, daß die Flasche nur sehr wenig davon birgt und viele ältere Malts. Man kann diesen Verschnitt nicht mit der Methode der Blender vergleichen. Sie vermischen Malts verschiedener Firmen untereinander und fügen oft billigen Grain hinzu, um die Preise niedrig zu halten (z.B. Johnny Walker).

Einen Verschnitt aus reinen Malts verschiedener Firmen nennt man auch "Vatted Malt". Unter anderem tragen einige Vatted Malts auf dem Etikett (Label) die Bezeichnung "Pure Malt".

Nachdem der still-master die Zusammensetzung entschieden hat, werden die entsprechenden Fässer zur Abfüllung gegeben. Meistens geschieht dies in zentralen Abfüllanlagen großer Malt-Ketten, wie z.B. den United Distillers, die die meisten Destillen Schottlands besitzen. Nur wenige Brennereien füllen ihren Whisky noch selbst ab (Belvenie, Glenfiddich, Longrow, Springbank).

In den Abfüllanlagen werden die Malts nochmals auf die sogenannte "Trinkstärke" heruntergebracht, indem man Wasser hinzugibt. Die Trinkstärke beträgt zwischen 40 und 46%. Bei der Abfüllung werden sie kaltgefiltert, damit keine Holzpartikel aus den Fässern in die Flaschen gelangen, und manchmal wird sogar noch Lebensmittelfarbe zugesetzt, um die richtigen Gold- und Bernstein-Farbnuancen zu erhalten.

Da es zum Glück Whiskyliebhaber gibt, die ihren Malt unverfälscht genießen möchten, füllen viele Firmen in letzter Zeit "single cask" bzw. "single barrel"-Varianten aus einem Faß oder ungefärbte Jahrgangs- oder Faßstärken-Malts ab. Diese sind natürlich teurer, schmecken aber nach Meinung vieler Kenner auch wesentlich besser, wenn nicht gar gänzlich anders.

Außerdem wird ein Teil der Malts an unabhängige Abfüller (Gordon & MacPhail, Cadenhead, Signatory) oder Single Malt-Clubs verkauft, die ihre eigene Variante in kleinen Mengen auf dem Markt anbieten. Diese Abfüller liefern ihre eigenen Fässer, reifen die Malts in eigenen Lagerhallen und füllen sie in spezielle Flaschen mit eigenem Logo